Gender-Pay-Gap: Warum Frauen schon in der Lehre verlieren!

Redaktion

12. August 2026

Ein schockierender Blick auf die Realität: Der Gender Pay Gap beginnt in der Lehre!

Am 12. August 2026 veröffentlichte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) eine alarmierende Pressemitteilung, die das Licht auf eine tief verwurzelte Ungerechtigkeit wirft: Den Gender Pay Gap, der bereits in der Berufsausbildung beginnt. Diese Diskrepanz in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen ist nicht nur ein Problem für die Karriereentwicklung, sondern prägt die gesamte Arbeitswelt und das Leben der Betroffenen. Was genau steckt hinter diesen Zahlen? Und warum betrifft es uns alle?

Die alarmierenden Zahlen: Ein Blick auf die Lehrberufe

Die Statistik zeigt, dass junge Männer und Frauen in Österreich unterschiedliche Wege einschlagen, wenn es um die Wahl ihrer Lehrberufe geht. Diese Entscheidungen sind oft der erste Schritt in eine langfristige Einkommensungleichheit. Während Jungen häufiger Berufe wählen, die besser bezahlt sind, entscheiden sich Mädchen oft für Berufe, die schlechter entlohnt werden. Der Unterschied beginnt bereits im ersten Lehrjahr und setzt sich bis ins Berufsleben fort.

  • Einzelhandel: Frauen verdienen im ersten Lehrjahr 1.026 Ꞓ, während Männer im gleichen Beruf ebenfalls 1.026 Ꞓ verdienen. Doch in anderen Berufen zeigt sich eine größere Diskrepanz.
  • Bürokauffrau: Ein Beruf, der häufig von Frauen gewählt wird, bietet im ersten Lehrjahr nur 721 Ꞓ.
  • Elektrotechnik: Männer verdienen hier im Gewerbe bereits im ersten Lehrjahr 1.000 Ꞓ, in der Industrie sogar 1.093,49 Ꞓ.

Historische Hintergründe: Wie kam es dazu?

Die Wurzeln dieser Ungleichheit reichen tief in die Geschichte. Traditionell wurden Berufe, die als „typisch weiblich“ galten, geringer bewertet und bezahlt. Diese Berufe, wie etwa im Bereich der Pflege oder der Verwaltung, wurden oft als weniger anspruchsvoll angesehen. Dies ist jedoch ein Irrglaube, der bis heute fortbesteht und maßgeblich zur Gehaltslücke beiträgt.

Rollenbilder und ihre Auswirkungen

Die Berufswahl junger Menschen wird stark von gesellschaftlichen Rollenbildern beeinflusst. Viele Mädchen werden schon früh in die Richtung „typisch weiblicher“ Berufe gelenkt, während Jungen in technisch orientierte und besser bezahlte Berufe drängen. Diese Stereotypen verfestigen sich und führen zu langfristigen finanziellen Nachteilen für Frauen.

Vergleiche mit anderen Ländern

Auch in anderen Ländern ist der Gender Pay Gap ein bekanntes Phänomen. In Deutschland beispielsweise verdienen Frauen im Durchschnitt 18% weniger als Männer. In skandinavischen Ländern, die als Vorreiter in Sachen Gleichstellung gelten, sind die Unterschiede zwar geringer, aber dennoch vorhanden.

Die Forderungen der ÖGJ: Ein Aufruf zur Veränderung

Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) fordert eine umfassende Reform der Berufsorientierung. Jugendliche sollten unabhängig von Geschlechterstereotypen alle Möglichkeiten kennenlernen. „Ein Mädchen muss wissen, dass Elektro- oder Labortechnik eine Option ist“, betont Jennifer Huemer, die Bundesjugendvorsitzende der ÖGJ.

  • Mehr geschlechtersensible Berufsorientierung
  • Bessere Informationen über Einkommen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten
  • Aufwertung und bessere Bezahlung frauendominierter Branchen

Konkrete Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen

Die langfristigen Konsequenzen dieser geschlechtsspezifischen Berufswahl sind gravierend. Frauen, die in schlechter bezahlte Berufe einsteigen, haben im Laufe ihres Lebens ein deutlich geringeres Einkommen. Dies wirkt sich negativ auf ihre finanzielle Unabhängigkeit, ihre Altersvorsorge und letztlich auf ihre gesamte Lebensqualität aus.

Expertenmeinungen: Was sagen die Fachleute?

Dr. Martin Steiner, ein renommierter Arbeitsmarktexperte, erklärt: „Die geschlechtsspezifische Berufswahl ist oft kein bewusster Prozess, sondern das Ergebnis tief verwurzelter gesellschaftlicher Normen. Eine Änderung dieser Normen erfordert Zeit und eine bewusste Anstrengung auf politischer und gesellschaftlicher Ebene.“

Zukunftsausblick: Ein Weg zur Gleichstellung?

Die Zukunft der Gleichstellung hängt davon ab, wie schnell und effektiv Maßnahmen umgesetzt werden können. Eine Veränderung der gesellschaftlichen Einstellungen und eine Anpassung der Löhne in frauendominierten Berufen sind entscheidend. Nur so kann der Gender Pay Gap langfristig geschlossen werden.

Die Politik spielt hierbei eine zentrale Rolle. Gesetzliche Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung und zur Bekämpfung von Lohndiskriminierung sind unerlässlich. Die jüngsten Diskussionen im Parlament zeigen, dass das Thema auf der politischen Agenda steht, doch konkrete Maßnahmen lassen oft noch auf sich warten.

Fazit: Ein Aufruf zum Handeln

Die Erkenntnisse des ÖGB sind ein Weckruf. Die geschlechtsspezifische Berufswahl und der daraus resultierende Gender Pay Gap sind Probleme, die uns alle betreffen. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft handeln und die Weichen für eine gerechtere Zukunft stellen. Der erste Schritt beginnt bei der Ausbildung unserer Jugend und der Überwindung veralteter Rollenbilder.