Wien (OTS) – „Die heute von der Statistik Austria veröffentlichten
Zahlen könnten
klarer nicht sein: Der österreichische Tourismus hat in der
Sommervorsaison einen neuen Allzeitrekord eingefahren. Das ist auch
gut so. Nicht gut ist, dass die Beschäftigten davon nichts in ihren
Brieftaschen spüren. Anerkennung allein bezahlt noch lange keine
Rechnungen. Schließlich wollen auch die Arbeitgeber von ihren Gästen
nicht nur Anerkennung, sondern vor allem auch Bares“, kritisiert Eva
Eberhart, Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft
vida und vida-KV-Verhandlungsleiterin, und fordert einen
Teuerungsausgleich für Lehrlinge und Niedrigentlohnte. Die
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hatte die
Kollektivvertragsverhandlungen für die 250.000 Beschäftigten im
Tourismus vor einigen Wochen einseitig abgebrochen.
Glaubt man den Prognosen der Meteorologie, steht die nächste
Hitzewelle bereits in den Startlöchern. „Da werden von den
Beschäftigten im Tourismus in der Hochsaison Höchstleistungen unter
harten Arbeitsbedingungen erwartet. Dafür habe sie sich ihren
gerechten Anteil am größer gewordenen Kuchen verdient“, appelliert
Eberhart an die Arbeitgeberseite. Laut Statistik Austria seien die
Buchungen im Mai und Juni 2026 zusammen im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum erneut gestiegen – dies sei das beste erreichte
Ergebnis einer Sommervorsaison seit Beginn der elektronischen
Aufzeichnungen 1973/74.
Diesen Erfolg machen die Beschäftigten mit ihrer täglichen harten
Arbeit überhaupt erst möglich. Dass sie über die kompromisslose
Haltung der WKÖ bitter ernüchtert und auch bereit sind, für ihren
Lohnabschluss zu kämpfen, hatten rund 300 Beschäftigte erst in der
vergangenen Woche eindrucksvoll mit einer Aktion in Wien bewiesen –
gestern, Donnerstag, fand auch eine Aktion im oberösterreichischen
Bad Schallerbach statt. „Weitere Aktionen in ganz Österreich werden
folgen“, kündigte Eberhart an. „Die Kolleginnen und Kollegen nehmen
es nicht hin, dass die WKÖ glaubt, durch ihren einseitigen Abbruch
der KV-Verhandlungen sich aus der Affäre ziehen zu können“,
bekräftigt die vida-Gewerkschafterin.
In den letzten Jahren haben die Betriebe ihre Preise um über 60
Prozent in die Höhe geschraubt. Gleichzeitig weigert sich die
Arbeitgeberseite bei den aktuellen Lohverhandlungen vehement, den
Beschäftigten die Teuerung abzugelten. „Die Betriebe verlangen von
den Gästen Rekordsummen und verzeichnen historische Buchungserfolge.
Den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dann beim Lohn den
Ausgleich der Inflation zu verweigern, ist ein unhaltbarer Zustand.
Das ist kein Verhandeln auf Augenhöhe, das ist ein Schlag ins Gesicht
für 250.000 Beschäftigte“, kritisiert Eberhart.
Seit Monaten jammert die Tourismusbranche lautstark über den
akuten Personalmangel. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch: Das
Problem ist nicht ein Mangel an Arbeitskräften, sondern ein
hausgemachter Mangel an attraktiven Arbeitsbedingungen und fairer
Entlohnung. „Wer behauptet, händeringend Beschäftigte zu suchen, darf
sie nicht mit Reallohnverlusten abspeisen, während die Kassen laut
klingeln wie nie zuvor“, betont Eberhart, dass es sich hier um einen
Fall von Angebot und Nachfrage handle. Die Branchendaten würden zudem
nahelegen, dass der Tourismus keinen akuten Arbeitskräftebedarf hat.
Tourismusbeschäftigte und Arbeitsuchende in Österreich müssen
sich darauf verlassen können, dass sie nicht durch einen günstigeren
Beschäftigten aus einem Drittstaat – sei es durch die Rot-Weiß-Rot-
Karte oder durch die Saisonier-Regelung – ersetzt werden, spricht
sich Eberhart gegen eine Ausweitung der Saisonier-Kontingente und für
eine Abschaffung der Rot-Weiß-Rot-Karte aus.
Die vida fordert von den Arbeitgebern für die Beschäftigten:
– Voller Teuerungsausgleich: Eine echte Reallohnerhöhung für alle
Beschäftigten in der Hotellerie und Gastronomie.
– Faire Beteiligung am Rekord: Die Beschäftigten haben diesen
historischen Mai-Rekord erarbeitet – dieser Erfolg muss sich auch auf
dem Lohnzettel widerspiegeln.
– Schluss mit dem Jammern, her mit fairen Bedingungen: Attraktive
Löhne und bessere Arbeitsbedingungen sind das einzige wirksame Mittel
gegen den Arbeitskräftemangel.