Tag der Jugend: Der Gender Pay Gap beginnt in der Lehre

Wien (OTS) – Eine aktuelle Berechnung des ÖGB auf Basis der am
häufigsten
gewählten Lehrberufe von Mädchen und Jungen zeigt: Jungen landen
deutlich häufiger in besser bezahlten Lehrberufen. Mädchen wählen
dagegen überdurchschnittlich oft Berufe, in denen bereits die
Lehrlingseinkommen niedriger ist. Die geschlechtsspezifische
Berufswahl wird damit früh zur Weichenstellung für das spätere
Einkommen.

„Mit 15 oder 16 Jahren entscheidet niemand bewusst: Ich will
später weniger verdienen oder eine kleinere Pension haben. Trotzdem
passiert genau das viel zu oft. Wenn Mädchen hauptsächlich in
schlecht bezahlte Berufe gehen und Jungen in besser bezahlte, ist das
kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis von Rollenbildern, fehlender
Orientierung und einer Arbeitswelt, in der typische Frauenberufe noch
immer schlechter bewertet und bezahlt werden“, sagt Jennifer Huemer,
Bundesjugendvorsitzende der ÖGJ.

Berufswahl darf keine Gender-Falle sein

Die ÖGJ fordert deshalb mehr und bessere Berufsorientierung
bereits in der Schule. Jugendliche müssen alle Möglichkeiten
kennenlernen – unabhängig davon, ob ein Beruf traditionell als
„Frauen-“ oder „Männerberuf“ gilt. „Ein Mädchen muss wissen, dass
Elektro- oder Labortechnik eine Option ist. Ein Junge muss wissen,
dass Pflege, Büro oder Elementarpädagogik genauso Berufe mit Zukunft
sind. Entscheidend sollte sein, was jemand kann und will – und nicht,
was angeblich zu Frauen oder Männern passt“, so Huemer.

Klar ist für die ÖGJ aber auch: Es reicht nicht, Mädchen einfach
in besser bezahlte Berufe zu schicken. „Wir dürfen Jugendlichen nicht
sagen: Sucht euch halt einen besser bezahlten Beruf. Wir müssen uns
genauso fragen, warum Berufe, die überwiegend von Frauen gemacht
werden, schlechter bezahlt sind. Arbeit mit Menschen ist nicht
weniger wert als Arbeit mit Maschinen“, betont Huemer.

Die ÖGJ fordert:

– mehr geschlechtersensible Berufsorientierung

– bessere Informationen über Einkommen und berufliche
Entwicklungsmöglichkeiten

– die Aufwertung und bessere Bezahlung frauendominierter Branchen

Top fünf Lehrberufe (2025) und Bezahlung (Juli 2026):

Frauen

1. Einzelhandel

– 1. Lehrjahr: 1.026 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.090 Ꞓ

2. Bürokauffrau

(abhängig von der Branche, hier niedrigster Wert)

– 1. Lehrjahr: 721 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.059 Ꞓ

3. Friseurin (Stylistin)

– 1. Lehrjahr: 804 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.020 Ꞓ

4. Verwaltungsassistentin

(abhängig von der öffentlichen Institution, hier niedrigster Wert
)

– 1. Lehrjahr: 714,60 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.667,30 Ꞓ

5. Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenz

– 1. Lehrjahr: 974 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.144 Ꞓ

Männer

1. Elektrotechnik

Gewerbe

– 1. Lehrjahr: 1.000 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.948,85 Ꞓ

Industrie

– 1. Lehrjahr: 1.093,49 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 3.009,82 Ꞓ

2. Metalltechnik

Gewerbe

– 1. Lehrjahr: 1.000 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.948,85 Ꞓ

Industrie

– 1. Lehrjahr: 1.093,49 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 3.009,80 Ꞓ

3. Kraftfahrzeugtechnik

Gewerbe

– 1. Lehrjahr: 1.000 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.948,85 Ꞓ

Industrie

– 1. Lehrjahr: 1.093,49 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 3.009,80 Ꞓ

4. Einzelhandel

– 1. Lehrjahr: 1.026 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.090 Ꞓ

5. Installations- und Gebäudetechnik

Gewerbe

– 1. Lehrjahr: 1.000 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 2.948,85 Ꞓ

Industrie

– 1. Lehrjahr: 1.093,49 Ꞓ

– Anfangsgehalt/-lohn: 3.009,80 Ꞓ