PVÖ: Mattle-Vorstoß treibt ältere Menschen in die Arbeitslosigkeit

Wien (OTS) – Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) weist den
Vorstoß des
Tiroler Landeshauptmanns Anton Mattle (ÖVP), wonach eine Pension
künftig erst nach 45 Arbeitsjahren möglich sein soll, entschieden
zurück. Für den PVÖ ist klar: Am gesetzlichen Pensionsantrittsalter
darf nicht gerüttelt werden. Statt neuer Hürden beim Pensionszugang
braucht es endlich einen Arbeitsmarkt, der ältere Menschen bis zur
Pension beschäftigt. „Herr Landeshauptmann Mattle löst kein einziges
Problem – er verschiebt es nur zu Lasten der älteren Arbeitnehmer*
innen. Wer 45 Arbeitsjahre verlangt, obwohl viele Menschen schon
Jahre vor der Pension ihren Arbeitsplatz verlieren, produziert mehr
Altersarbeitslosigkeit statt längere Beschäftigung“, erklärt PVÖ-
Präsidentin Birgit Gerstorfer. ****

Arbeitsmarkt versagt bei älteren Beschäftigten

Die Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
steigt seit Monaten. Besonders betroffen sind ältere Frauen, deren
Arbeitslosigkeit seit der schrittweisen Anhebung des
Frauenpensionsalters deutlich zunimmt. Gleichzeitig klagt die
Wirtschaft über Fachkräftemangel. „Es ist widersinnig, einerseits
fehlende Fachkräfte zu beklagen und andererseits erfahrene
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt auszuschließen.
Nicht das Pensionsalter ist das Problem, sondern ein Arbeitsmarkt,
der ältere Menschen viel zu früh abschreibt.“

Bonus-Malus statt höheres Pensionsalter

Für den PVÖ liegt die Lösung auf der Hand: Statt über eine
Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters oder eine Koppelung
an Versicherungsjahre oder die Lebenserwartung zu diskutieren, müssen
Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden. Der PVÖ
fordert deshalb die rasche Einführung eines Bonus-Malus-Systems.
Unternehmen, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
beschäftigen und bis zum gesetzlichen Pensionsantritt im Betrieb
halten, sollen finanziell belohnt werden. Unternehmen, die ältere
Beschäftigte systematisch verdrängen und deutlich unter einer
branchenspezifischen Beschäftigungsquote liegen, sollen einen höheren
Beitrag zur Pensionsversicherung leisten. „Wer längeres Arbeiten
fordert, muss auch dafür sorgen, dass ältere Menschen tatsächlich
Arbeit haben. Unser Bonus-Malus-System belohnt Unternehmen, die
Verantwortung übernehmen, und verpflichtet jene Betriebe, die ältere
Beschäftigte aus dem Erwerbsleben drängen, einen fairen Beitrag zu
leisten. Genau dort müssen wir ansetzen – nicht bei den
Pensionistinnen und Pensionisten.“

Frauen würden doppelt benachteiligt

Besonders hart würde Mattles Vorschlag Frauen treffen. Viele
erreichen 45 Arbeitsjahre nicht, weil sie Kinder betreut und
Angehörige gepflegt haben.

„Wer diese Lebensrealität ignoriert, verschärft die Ungleichheit
im Alter. Deshalb fordern wir auch, dass für Frauen bei der
Aktivpension 30 Versicherungsjahre ausreichen. Sorgearbeit darf nicht
doppelt bestraft werden.“

Finger weg vom gesetzlichen Pensionsantrittsalter

„Die Menschen haben ein Leben lang Beiträge geleistet und sich
auf die geltenden Regeln verlassen. Am gesetzlichen
Pensionsantrittsalter darf nicht gerüttelt werden. Wer unser
Pensionssystem sichern will, muss Altersdiskriminierung am
Arbeitsmarkt bekämpfen und Unternehmen stärker in die Verantwortung
nehmen – nicht ältere Menschen länger arbeitslos sein lassen“, so
Gerstorfer abschließend.