Wien (OTS) – Innenminister Gerhard Karner eröffnete am 22. Juli 2026
das neue
Polizeizentrum in Braunau am Inn in Oberösterreich. An der Eröffnung
nahm auch Landeshauptmann Thomas Stelzer teil. Im Rahmen von zwei
Interviewrunden gaben Landespolizeidirektor Andreas Pils,
Bürgermeister von Braunau Johannes Waidbacher, Präsident der
Finanzprokuratur und Bundesminister für Inneres außer Dienst Wolfgang
Peschorn, Nationalratspräsident außer Dienst und Bundesminister für
Inneres außer Dienst Wolfgang Sobotka und der Vorsitzende der
ehemaligen Expertenkommission, Sektionschef in Ruhe Hermann Feiner
einen Einblick in die Chronologie des Umbaus und die Beweggründe
dahinter.
Das neue Polizeizentrum beheimatet die Polizeiinspektion Braunau
am Inn und das Bezirkspolizeikommando Braunau am Inn.
„Unsere Polizei steht für das genaue Gegenteil der Symbolik, die
diesem Ort anhaftet. Unsere Polizei steht für Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit, für Freiheit, Sicherheit und Menschenwürde – und
vor allem deren kompromisslose Verteidigung gegen alle, die sie
bedrohen, gegen jede Form des Extremismus oder Totalitarismus“, sagte
Innenminister Gerhard Karner.
„Das neue Polizeizentrum in Braunau ist ein Ort der Sicherheit
und der Rechtsstaatlichkeit. Gerade hier zeigt sich, dass wir
Verantwortung aus der Geschichte nicht nur bewahren, sondern aktiv
leben. Wo die Vergangenheit zur Mahnung wird, stehen heute jene
Menschen im Dienst, die täglich für Recht, Ordnung und den Schutz der
Bevölkerung eintreten. Dieses Haus ist damit auch ein sichtbares
Zeichen für die Stärke unserer Demokratie“, sagte Landeshauptmann
Thomas Stelzer.
„Die Republik – das Bundesministerium für Inneres – setzt mit der
grundlegenden architektonischen Umgestaltung und der Etablierung
eines Polizeizentrums sowohl äußerlich als auch dem Geiste nach ein
sichtbares Zeichen, um der Mystifizierung des Geburtshauses Adolf
Hitlers durch Neonazis dauerhaft entgegenzutreten. Es ist dies das
einzige Beispiel in Europa, in dem dies in dieser Form so
eindrucksvoll gelungen ist“ sagte Nationalratspräsident außer Dienst
und Bundesminister für Inneres außer Dienst Wolfgang Sobotka.
Chronologie der Sanierung und Umgestaltung
Aufgrund der historischen Belastung der Örtlichkeit steht der
Eröffnung ein über 10-jähriger Prozess voraus, in dem die Thematik
vom Innenministerium in Absprache mit verschiedenen Expertinnen und
Experten sorgfältig behandelt wurde.
2016 wurde auf Empfehlung des damaligen Bundesministers für
Inneres Wolfgang Sobotka eine Expertenkommission unter der Leitung
von Sektionschef in Ruhe Hermann Feiner eingerichtet, die sich mit
der Verwendung der Liegenschaft auseinandergesetzt hat. Die
Kommission bestand aus 13 Expertinnen und Experten aus verschiedenen
Feldern (Zeithistorikerinnen und -historiker, Juristinnen und
Juristen, Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, der
Zivilgesellschaft und der Politik) und sprach sich gegen einen Abriss
des Gebäudes und gegen eine Nutzung, die eine weitere Assoziierung
mit der Person Hitlers oder dem Nationalsozialismus befördern würde,
aus. Die Empfehlung der Kommission war eine tiefgreifende
architektonische Umgestaltung des Gebäudes und ein Verwendungszweck
im sozial-karikativen oder behördlich-administrativen Sinne.
2017 wurde das Gebäude in einem weiteren Schritt durch einen
Nationalratsbeschluss enteignet und befindet sich seither im Besitz
der Republik Österreich. Grund für den Beschloss war die weitere
Unterbindung der Verbreitung von NS-Gedankengut.
2019 fiel die Entscheidung unter Bundesminister für Inneres
Wolfgang Peschorn, das Gebäude künftig als Polizeidienststelle zu
nutzen. Nach Abschluss eines internationalen Architekturwettbewerbs
begann 2023 die Sanierung und Umgestaltung der Örtlichkeit und 2026
konnte das Polizeizentrum in Betrieb genommen werden.
Neueröffnung als Startpunkt
Nach langjährigen Gesprächen rund um die Verwendung des Gebäudes
soll die Eröffnung des Polizeizentrums nun ein Startpunkt sein und
ein Ort der Rechtsstaatlichkeit und der Verantwortung sein.
„Es ist eine Vorzeigedienststelle und die Kolleginnen und
Kollegen, die hier Dienst machen, sind mitverantwortlich für die
hohen Vertrauenswerte, die die Polizei in Österreich genießt. Mit
dieser Dienststelle wurden ordentliche Arbeitsbedingungen geschaffen
und auch dem historischen Kontext Rechnung getragen. Ich wünsche
unseren Polizistinnen und Polizisten einen guten Start“, sagte
Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.
Mit ähnlichem Beispiel ging bereits die deutsche Polizei voran,
wo Hitlers ehemalige Wohnung in München am Prinzregentenplatz zu
einer Dienststelle der bayrischen Polizei wurde.
Daten und Fakten
Der Bezirk Braunau umfasst 1.040 km² und zählt mit 1. Jänner 2025
insgesamt 110.571 Einwohner, wobei die Bevölkerung durch Zuzug aus
Deutschland und dem Bundesland Salzburg stark wächst. Das
Bezirkspolizeikommando Braunau betreut mit neun Polizeiinspektionen
den Bezirk, derzeit versehen 46 Beamtinnen und Beamte Dienst im
Bezirk, davon 17 in der PI Braunau, die für die Gemeinden Braunau am
Inn und St. Peter am Hart mit einer Gesamtfläche von 47,74 km² und
20.179 Einwohnern zuständig ist.
Die Kriminalstatistik 2025 im Bezirk Braunau zeigt dank des
engagierten Kriminaldienstes mit zwei Kriminaldienstgruppen in
Braunau und Mattighofen einen Rückgang der angezeigten Delikte von
rund 3.700 auf 3.300 sowie mit 65,6 Prozent die dritthöchste
Aufklärungsquote Oberösterreichs. Zudem wurden 62 Personen nach der
Strafprozessordnung (StPO) festgenommen (40 davon in
Untersuchungshaft), darunter Tatverdächtige wegen Mordes und
versuchten Mordes. Im Rahmen der Operationen „Schneewald“, „FedEx“
und „Duplex“ wurden umfangreiche Ermittlungen gegen den
internationalen Suchtgift- und Waffenhandel mit zahlreichen
Festnahmen erfolgreich abgeschlossen.
Die PI Braunau ist in einer wirtschaftlich starken
Industrieregion an der Grenze zu Bayern tätig und profitiert von
einer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der PI Simbach (D),
besonders bei der grenzüberschreitenden Kriminalitätsbekämpfung.