ÖGARI: Neue Phase-III-Studie stärkt Evidenz für standardisierte Cannabinoid-Extrakte in der Schmerzmedizin

Wien, Klagenfurt (OTS) – Chronische Schmerzen gehören weltweit zu den
häufigsten Ursachen für
eingeschränkte Lebensqualität und stellen die Schmerzmedizin vor
immense Herausforderungen. Insbesondere neuropathische Schmerzen,
chronische muskuloskelettale Schmerzen und Tumorschmerzen sprechen
häufig nur unzureichend auf herkömmliche Schmerzmedikamente an.
Standardisierte Cannabinoid-Extrakte gewinnen deshalb zunehmend als
ergänzende Therapieoption an Bedeutung.

Eine aktuelle, in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine
veröffentlichte multizentrische Phase-III-Studie der Medizinischen
Hochschule Hannover liefert nun hochwertige wissenschaftliche Evidenz
für den Einsatz eines standardisierten Cannabis-Vollspektrumextrakts
(VER-01).
Mit 820 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten erreicht die
randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie ein hohes
Evidenzniveau und erweitert die Datenlage für den gezielten Einsatz
standardisierter Cannabinoid-Extrakte bei Patientinnen und Patienten
mit chronischen Rückenschmerzen und neuropathischer
Schmerzkomponente. Darüber hinaus verbesserten sich Schlafqualität
und körperliche Funktion. Hinweise auf Abhängigkeit oder
Entzugssymptome wurden dabei nicht beobachtet.
»Diese große klinische Studie stellt einen wesentlichen Meilenstein
für die Schmerzmedizin dar. Erstmals liegt für einen standardisierten
Cannabis-Vollspektrumextrakt Evidenz auf höchstem klinischem Niveau
vor. Entscheidend ist jedoch, dass hier nicht Cannabisblüten
untersucht wurden, sondern ein exakt standardisiertes Arzneimittel
mit definierter Zusammensetzung«, erklärt Univ.-Prof. Dr. Rudolf
Likar, Schmerzmediziner am Klinikum Klagenfurt und Vorstandsmitglied
der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation
und Intensivmedizin.

Zwtl.: Standardisierte Extrakte statt Cannabisblüten

Nach Ansicht von Professor Likar, unterstreicht diese Studie die
Notwendigkeit, medizinische Cannabinoide klar vom Freizeitkonsum zu
unterscheiden. Medizinische Cannabisextrakte enthalten definierte
Mengen der pharmakologisch wirksamen Cannabinoide THC und/oder CBD
und ermöglichen dadurch eine reproduzierbare Dosierung sowie eine
wissenschaftlich nachvollziehbare Therapie. »Wir brauchen in der
Medizin keine Cannabisblüten, sondern standardisierte THC- und CBD-
Extrakte in Arzneimittelqualität. Nur solche Präparate ermöglichen
eine sichere Dosierung, eine reproduzierbare Wirkung und
einewissenschaftlich abgesicherte Behandlung. Cannabinoide gehören
ausschließlich in die Hände von Ärztinnen und Ärzten mit
entsprechender Ausbildung und Erfahrung in der Cannabinoidtherapie.«,
so Rudolf Likar .

Zwtl.: Cannabinoide sind kein Allheilmittel

Die ÖGARI weist gleichzeitig darauf hin, dass Cannabinoide kein
Ersatz für eine umfassende Schmerztherapie sind. Sie stellen vielmehr
einen Baustein innerhalb eines multimodalen Therapiekonzeptes dar,
das medikamentöse Behandlung, Bewegungstherapie, Physiotherapie,
psychologische Verfahren und weitere individuelle Maßnahmen
kombiniert.
»Gerade chronische Schmerzen entstehen durch ein komplexes
Zusammenspiel biologischer, neurologischer und psychosozialer
Faktoren. Cannabinoide können bei sorgfältiger Indikationsstellung
einen wichtigen therapeutische Baustein darstellen, ersetzen aber
niemals eine ganzheitliche Schmerzmedizin«, bestätigt Prim. Priv.-
Doz. Dr. Michael Zink, Präsident der ÖGARI .

Zwtl.: Einsatz in verschiedenen medizinischen Indikationen

Standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel werden heute bereits in
unterschiedlichen medizinischen Bereichen eingesetzt. Dazu zählen
insbesondere neuropathische Schmerzen, chronische Tumorschmerzen,
spastische Beschwerden bei Multipler Sklerose, bestimmte
therapieresistente Epilepsieformen bei palliativmedizinischer
Therapie sowie die Behandlung von Übelkeit und Appetitminderung im
Rahmen onkologischer Therapien. Für weitere Indikationen wird die
Evidenz kontinuierlich erweitert. »Die neue Studie zeigt, wie wichtig
hochwertige klinische Forschung in der Cannabinoidmedizin ist. Unser
Ziel bleibt eine sichere, evidenzbasierte und patientenorientierte
Schmerztherapie, in der standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel dort
eingesetzt werden, wo sie einen nachgewiesenen Nutzen bieten.«, fasst
der Präsident der ÖGARI, Michael Zink, zusammen.

Originalpublikation: Full-spectrum extract from Cannabis sativa
DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-
controlled trial. Nature Medicine (2026).