Wien (OTS) – Am alle fünf Jahre stattfindenden Bundestag der
AHS-Gewerkschaft
wurde Georg Stockinger am 21. Mai 2026 mit überwältigender Mehrheit
zum Vorsitzenden gewählt. Der Salzburger Mathematik- und Geschichte-
Lehrer folgt auf Herbert Weiß, der im Sommer in den Ruhestand tritt.
Stockinger dankte seinem Vorgänger für dessen engagiertes,
konsequentes und zugleich stets umsichtiges Wirken und kündigte an,
den eingeschlagenen Kurs einer starken Interessenvertretung mit Fokus
auf Dialog, Praxisnähe und langfristige Perspektiven in der
Bildungspolitik fortzusetzen.
Erfahrener Gewerkschafter
Stockinger ist seit Beginn seiner Berufslaufbahn gewerkschaftlich
engagiert. Bereits im Unterrichtspraktikum trat er der Gewerkschaft
bei. Später wirkte er im Betriebsausschuss auf Schulebene, in der
Landesleitung und im Fachausschuss Salzburg und schließlich in der
Bundesleitung. Dort war er zunächst Dienstrechtsreferent, seit 2016
Besoldungsreferent und stellvertretender Vorsitzenden.
Teamplayer mit klarer Haltung
„Ich entscheide gerne im Team, bin loyal und wenn notwendig auch
sehr beharrlich“, beschreibt Stockinger seinen Arbeits- und
Führungsstil. „Die klare und stets besonnene Haltung meines
Vorgängers Herbert Weiß zu bildungspolitischen wie auch zu dienst-
und besoldungsrechtlichen Fragen wird Richtschnur meines Handelns
sein!“
Bildung braucht Fakten statt reißerischer Inszenierung
Deutliche Worte findet der neue Vorsitzende zur aktuellen
Bildungspolitik: „In der Bildungspolitik muss es um die langfristige,
faktenbasierte Sicherung des Bildungsstandorts Österreich gehen –
nicht um Medienpräsenz und reißerische Schlagzeilen.“
Frühkindliche Förderung als Schlüsselfrage
Als zentrales Problem ortet Stockinger große Defizite bereits vor
dem Schuleintritt: Fehlende frühkindliche Förderung erschwere die
Arbeit an den Schulen massiv. „Was bis zum Eintritt in den
Kindergarten nicht grundgelegt ist – von sozialen bis zu sprachlichen
Fähigkeiten –, kann später nur mit enormem Aufwand kompensiert
werden“, warnt er. Hier brauche es dringend bessere
Unterstützungsangebote sowie eine gezielte Stärkung der Eltern in
ihrer Verantwortung für die Entwicklung und Bildung ihrer Kinder.
Lehrkräftemangel hausgemacht
Auch beim Lehrkräftemangel sieht Stockinger dringenden
Handlungsbedarf. Dass heute vielerorts Quereinsteiger:innen gesucht
und zu viele junge Lehrkräfte „verheizt“ würden, sei „zu einem
erheblichen Teil hausgemacht“. Stockinger fordert professionelle
Unterstützungssysteme für Lehrer:innen und bessere Rahmenbedingungen,
um den Beruf wieder attraktiv zu machen.
Klare Absage an Gesamtschulpläne
Eine neuerliche Gesamtschuldebatte lehnt der neue Vorsitzende
unmissverständlich ab. „Uralte Hüte bringen uns keinen Schritt
weiter“, sagt Stockinger. Bildungspolitische Schlagwörter ohne
wissenschaftlich fundiertes Konzept seien keine Lösung. Die geplante
Einführung der 6-jährigen Volksschule öffne den Weg für eine
Gesamtschule, die Unterschiede nur verstärkt.
Gespräche auf Augenhöhe, Fakten statt Schlagzeilen
Für die Zukunft der AHS-Gewerkschaft kündigt Stockinger die
konsequente Fortsetzung des bisherigen Kurses einer starken
Interessenvertretung für die AHS-Lehrer:innen an – gemeinsam mit den
anderen Lehrergewerkschaften und im engen Austausch mit der
Kollegenschaft. Vom Bildungsministerium fordert er „Gespräche, Zeit,
offene Ohren und Verhandlungen auf Augenhöhe“. „Bildungspolitik
braucht Praxisnähe und Fakten statt Schlagzeilen“, betont Stockinger
abschließend.