Wien (OTS) – Die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer Wien
präsentierten heute
anhand eines modernen Gemüsebaubetriebs mit der ersten Carbon-Capture
-Anlage im industriellen Maßstab in Österreich, wie Klimaschutz,
Versorgungssicherheit und Hightech-Landwirtschaft zusammenfinden
können.
Zwtl.: Czernohorszky: Wien auf dem Weg zur Stadt ohne Verschwendung
„Ein gutes Leben in unserer Stadt hat auch viel damit zu tun, wie
wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen. Unser Ressourcenverbrauch
hat Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Wien als Stadt ohne
Verschwendung zu organisieren, stärkt uns daher nicht nur in der
Klimakrise, sondern erhöht auch unsere Versorgungssicherheit und
schafft langfristig Lebensqualität“, betont Klimastadtrat Jürgen
Czernohorszky mit Verweis auf Wiens Strategie „Zirkuläres Wien – Eine
runde Sache“.
Diese Strategie soll dazu beitragen, Wiens Wandel zu einer
„zirkulären Stadt“ voranzutreiben. Ihre Schwerpunkte beschreiben die
Potenziale für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft und die
wesentlichsten Hebel der Stadt Wien. Czernohorszky: „Viele Hebel der
Ressourcenschonung liegen in städtischer Hand und können gerade auf
regionaler Ebene die Umwelt schützen und die Versorgung sichern.
Deshalb setzen wir gemeinsam mit der Stadtlandwirtschaft auf eine
nachhaltige, ressourcenschonende Lebensmittelproduktion und stärken
mit unseren Möglichkeiten, wie der Verpflegung in öffentlichen
Einrichtungen, die regionalen Betriebe der Land- und
Ernährungswirtschaft.“
„Wien hat sich mit der Klimaneutralität bis 2040 das
ambitionierte Ziel gesetzt, produktionsbasierte Treibhausgas-
Emissionen auf Netto-Null zu reduzieren. Das heute präsentierte
Beispiel eines modernen Gemüsebaubetriebs zeigt, wie man aus dem
Problemstoff CO₂ einen nützlichen Rohstoff machen und so einen
natürlichen Kreislauf schließen kann“, so der Klimastadtrat.
Zwtl.: Walter: Mit moderner Technik die Produktionskreisläufe wieder
schließen
„In den letzten Jahrzehnten hat in der gesamten agrarischen
Produktion externe Energie, vielfach fossilen Ursprungs, die
menschliche Arbeitskraft ersetzt und auf diese Weise die Lebensmittel
leistbar erhalten. Moderne technische Entwicklungen machen nun wieder
echte Kreislaufwirtschaft möglich, wie das heutige Beispiel eines
Gemüsebaubetriebs mit innovativer Biomasseheizung und angeschlossener
Carbon-Capture-Anlage zeigt. Die Wiener Stadtlandwirtschaft ist auf
dem besten Weg, mit professioneller Beratung und gezielter Förderung
durch EU, Bund und Stadt Wien die Produktionskreisläufe wieder zu
schließen“, stellte Norbert Walter, Präsident der
Landwirtschaftskammer Wien, im Rahmen des Lokalaugenscheins fest.
So verwies der LK Wien-Präsident auf spezifische
Beratungsprodukte der Landwirtschaftskammer, welche zur
Kreislaufwirtschaft aktiv beitragen. Diese Beratungen unterstützen
die Betriebe in unterschiedlichen Bereichen ihrer Tätigkeit, wie
Betriebswirtschaft, Ökologie, oder Ressourceneinsatz. Besonders
hervorzuheben ist der Ressourcen-Check „Kreislaufwirtschaft“, ein
Selbstevaluierungstool, mit dem Betriebe ihre Energie-, Wasser- und
Stoffströme analysieren und Potenziale zur besseren Schließung von
Kreisläufen erkennen können. Walter: „Unsere Beraterinnen und Berater
unterstützen die Betriebe dabei Ressourcen zu schonen, Abhängigkeiten
von externen Inputs zu verringern und die ökologische Stabilität zu
fördern, ohne aber die wirtschaftliche Rentabilität der Unternehmen
zu gefährden. So schaffen wir eine nachhaltige, moderne,
klimafreundliche Stadtlandwirtschaft, die die Ernährung sichert und
gleichzeitig Ressourcen schont.“
47 % der Wiener Gartenbaubetriebe nutzen bereits Fernwärme, 10 %
verwenden biogene Brennstoffe wie Pellets oder Hackschnitzel. Walter:
„Die Bedeutung einer nachhaltigen Energienutzung und Energieeffizienz
im Gartenbau steigt stetig, um Umweltauswirkungen zu minimieren und
Ressourcen zu schonen. Der Trend zeigt hier deutlich in Richtung der
erneuerbaren Energieformen.“
Zwtl.: Merschl: Fossiles Gas wird durch regionale Energie ersetzt
Der Gemüsebaubetrieb von Betriebsführer Martin Merschl zählt zu
den leistungsfähigsten der Stadt. Auf rund 70.000 Quadratmeter
Gewächshausfläche werden jährlich ca. 3.000 Tonnen Paradeiser
geerntet und über die Marke „LGV Gärtnergemüse“ für die regionale
Versorgung vertrieben. Damit leistet Familie Merschl einen
wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Stadt Wien mit
Frischgemüse. Merschl ist seit mehr als einhundert Jahren auch ein
Betrieb mit hohem Innovationspotential, der nun zum Vorzeigebeispiel
für die Transformation der Wirtschaft geworden ist. Martin Merschl
dazu: „Mit einer modernen Biomasse-Heizanlage plus einer Carbon
Capture Anlage, der ersten im industriellen Maßstab in Österreich
überhaupt, haben wir ganz im Sinne der zirkulären Stadt die
Kreisläufe wieder geschlossen. Wir haben die Produktionsprozesse neu
gedacht, haben fossiles Gas durch regionale Energie ersetzt und aus
dem Problemstoff CO₂ einen wertvollen Rohstoff gemacht.“
Mit der Carbon-Capture-Anlage wird das abgeschiedene CO₂ direkt
vor Ort wieder verwendet, unter anderem zur Förderung des
Pflanzenwachstums im Gewächshaus. „Hier wird sichtbar, was
Kreislaufwirtschaft bedeutet: Emissionen werden nicht nur reduziert,
sondern Teil eines funktionierenden Systems“, so Merschl
abschließend.
Zwtl.: Czernohorszky: Kreislaufwirtschaft verlangt Zusammenarbeit
„Kreislaufwirtschaft ist keine isolierte Fachdisziplin. Ihre
Entwicklung, Erprobung und Umsetzung erfordern eine umfassende
Zusammenarbeit. Unsere Kooperation mit der Stadtlandwirtschaft ist
imstande, gewohnte Lebens- und Wirtschaftsweisen zu verändern, wie
das Beispiel Merschl zeigt. Wien verknüpft Ressourcenschonung
untrennbar mit Klimaschutz und Klimaanpassung und sichert damit die
hohe Wiener Lebensqualität für künftige Generationen“, so
Czernohorszky abschließend.