Wien (OTS) – „Aus dahingeschluderten, wenig durchdachten Vorschlägen
entsteht
keine intelligente und seriöse Pensionsdebatte“, meint Markus Koza,
Sozialsprecher der Grünen, zu den unausgegorenen Pensionsideen des
Tiroler Landeshauptmanns Mattle. „Wer will, dass Menschen länger
arbeiten, muss auch sicherstellen, dass Unternehmen mehr Menschen
über 60 Jahren beschäftigen, dass ältere arbeitslose Menschen Jobs
finden und dass Menschen nicht über Kinderbetreuungsverpflichtungen
und Pflegeaufgaben aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt werden.“
Mattles Vorschlag, den Pensionsantritt an 45 Arbeitsjahre zu
knüpfen, zeugt von profunder Unkenntnis, so Koza weiter: „Laut
Jahresbericht der PVA sind 2025 Frauen im Durchschnitt nach 31 Jahren
beitragspflichtiger Beschäftigung – also Arbeitsjahren – Männer nach
37,6 Arbeitsjahren in Pension gegangen. Ziel muss es also sein, die
Erwerbsphasen vor dem 65. Lebensjahr besser zu nutzen und zu erhöhen.
Das geschieht über den Ausbau professioneller Kinderbetreuung und
Pflegeangebote, über bessere und gesündere Arbeitsbedingungen, über
ein Bonus-Malus-System zur Beschäftigung von Menschen über 60 sowie
eine zielgerichtete Arbeitsmarktpolitik“.
Das Pensionskonto berücksichtigt bereits heute, dass Menschen,
die später in den Beruf einsteigen und dadurch kürzer und weniger
Pensionsbeiträge zahlen, niedrigere Pensionen beziehen, als Menschen,
die länger ins Pensionssystem einbezahlt haben. „Was Herr Mattle –
vielleicht sogar ohne es zu verstehen oder zu wollen – fordert, ist
tatsächlich die Enteignung von Frauen mit
Kinderbetreuungsverpflichtungen, von Menschen, die arbeitslos waren
und Menschen, die in ihre Ausbildung investiert haben. Die Konsequenz
seines absurden Vorpreschens ist nämlich, dass deren Beiträge auf dem
Pensionskonto im Alter von 65 Jahren weniger wert wären, als die
Beiträge anderer. Das ist selbstverständlich unsachlich“, erläutert
Koza. „Gegen derartige Enteignungs-Phantasien schützt
glücklicherweise sowohl die österreichische Bundesverfassung als auch
die Europäische Menschenrechtskonvention.“
„Tatsächlich“, so Koza abschließend, „brauchen wir eine seriöse
Debatte darüber, wie wir das Pensionssystem auch für kommende
Generationen absichern. Aber Maßnahmen zur Absicherung müssen
sinnvollerweise in der Erwerbsphase der Menschen ansetzen.
Dahingeschluderte Enteignungs-Fantasien sind denkbar ungeeignet.“