Wien (OTS) – „Jedes Jahr vor Schulbeginn hören Schüler, Eltern und
Lehrer
dieselben Durchhalteparolen aus dem Bildungsministerium. Im August
2025 verkündete Bildungsminister Wiederkehr eine angebliche
‚Renaissance des Lehrerberufs‘ und erklärte die bildungspolitische
‚Aufholjagd‘ für gestartet. Im Dezember behauptete er bereits, der
Lehrkräftebedarf habe sich stabilisiert, und sprach von einem ersten
Erfolg seiner Maßnahmen. Heute erklärt er erneut, Österreich sei ‚auf
dem richtigen Weg‘. Die Formulierungen wechseln, die Probleme
bleiben“, kritisierte heute FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Hermann Brückl
die jüngsten Aussagen des NEOS-Bildungsministers.
Die Realität sehe anders aus: Von bundesweit 136.300
ausgeschriebenen Unterrichtsstunden (rund 6.200 Vollzeitposten) waren
sechs Wochen vor Schulbeginn nur zwei Drittel vergeben. In Wien lag
die Zuweisungsquote bei 66 Prozent, in Oberösterreich bei 50 und in
Vorarlberg gar nur bei 43 Prozent.
„Eine Bewerbung hält noch keinen Unterricht, eine vorläufige
Zuweisung steht noch nicht vor der Klasse und eine Überstunde ersetzt
keine nachhaltige Personalpolitik. Wiederkehr betreibt statistische
Schönfärberei, während Direktoren weiter nach Personal suchen und
Lehrer die Versäumnisse des Ministers durch Mehrdienstleistungen
auffangen müssen“, so Brückl.
Zudem sinke die Qualifikation drastisch: Zuletzt hatten nur 44
Prozent der Neuaufnahmen einen Lehramts-Bachelor. Der Rest bestand
aus Personal in Ausbildung, Quereinsteigern oder Sonderverträgen.
Gleichzeitig mussten Lücken durch Überstunden im Ausmaß von 7.000
Vollzeitstellen gestopft werden, fachfremder Unterricht sei längst
Alltag.
„So sieht keine Renaissance aus. So verschleißt man die
vorhandenen Lehrer und senkt schrittweise die Qualitätsstandards.
Wiederkehr verkauft die Verwaltung des Mangels als Erfolg und hofft
offenbar, dass bis zum Schulbeginn schon irgendwie jemand vor jeder
Klasse stehen wird“, erklärte der FPÖ-Bildungssprecher.
Von der versprochenen „Aufholjagd“ der schwarz-rot-pinken
Regierung sei nichts zu spüren. Stattdessen produziere man
Modellversuche wie die sechsjährige Volksschule und kürze bewährte
Inhalte wie Latein oder die zweite lebende Fremdsprache. Auch
Wiederkehrs Bilanz aus fünf Jahren Wiener Regierungsverantwortung sei
desaströs, wie die schlechten IQS-Ergebnisse der Volksschüler
zeigten.
„Wiederkehr hat Wien als bildungspolitisches Schlusslicht
hinterlassen und trägt seine gescheiterten Rezepte nun in den Bund.
Gerade in Wien sind erneut 35.000 Unterrichtsstunden ausgeschrieben.
Dieser Minister hatte genug Zeit, genug Zuständigkeit und genug
Möglichkeiten. Er hat gezeigt: Er kann es nicht“, stellte Brückl
klar.
Die FPÖ fordere stattdessen eine kürzere, praxisnahe
Lehrerausbildung, echte Verwaltungsassistenten, Bürokratieabbau und
einen Fokus auf Kernkompetenzen. Zudem brauche es verpflichtende
Deutschklassen vor dem Regelunterricht, strenge Konsequenzen bei
Gewalt und den Erhalt des differenzierten Schulsystems.
„Österreichs Schulen brauchen Planungssicherheit, qualifizierte
Lehrer und einen Minister, der Ergebnisse liefert. Wiederkehr soll
aufhören, Bewerbungen zu zählen und vorläufige Zuweisungen als Erfolg
zu verkaufen. Entscheidend ist, ob im September jede Klasse in jedem
Fach von einem entsprechend ausgebildeten Lehrer unterrichtet wird.
Daran wird er gemessen – und nach heutigem Stand fällt die Bilanz
erneut negativ aus“, so Brückl abschließend.