550 Mio. Euro Strafe gegen AliExpress: EU-Kommission bestätigt jahrelange Kritik des Handelsverbands

Wien (OTS) – Die Europäische Kommission hat heute gegen die
Onlineplattform
AliExpress wegen schwerwiegender Verstöße gegen den Digital Services
Act (DSA) eine Geldbuße von 550 Millionen Euro verhängt. Beanstandet
wurden unter anderem mangelhafte Kontrollen illegaler, unsicherer und
gefälschter Produkte sowie unzureichende Maßnahmen gegen
risikobehaftete Händler.

„ Die heutige Entscheidung bestätigt eindrucksvoll, worauf wir
seit mehr als einem Jahrzehnt hinweisen: Das Problem sind nicht
einzelne Produkte, sondern strukturelle Defizite auf manchen
internationalen Onlineplattformen. Wer Millionen Produkte in Europa
verkauft, muss auch Verantwortung für deren Sicherheit übernehmen „,
sagt Rainer Will , Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen
und unabhängigen Handelsverbands.

Zwtl.: Neuer VKI-Test zeigt abermals konkrete Folgen für
Konsument:innen

Wie aktuell die Problematik ist, zeigt auch ein neuer,
katastrophaler Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI): Von
14 auf Temu, Shein und AliExpress bestellten Sonnencremen war kein
einziges Produkt empfehlenswert. Drei Cremes enthielten sogar den in
der EU verbotenen UV-Filter 4-MBC und hätten überhaupt nicht verkauft
werden dürfen. Vier der getesteten Produkte erfüllten nicht einmal
die Mindestanforderungen an Sonnenschutzmittel. Empfehlenswert war
letztlich keines der getesteten Produkte.

„ Wenn vermeintliche Sonnencremen praktisch keinen UV-Schutz
bieten oder sogar verbotene Stoffe enthalten, geht es nicht mehr nur
um unfairen Wettbewerb, sondern um den Schutz der Gesundheit der
Konsumentinnen und Konsumenten „, warnt Handelssprecher Rainer Will .

Zwtl.: 5,8 Milliarden Pakete pro Jahr – Kontrolldichte sinkt trotz
mehr Kontrollen

Der Handlungsdruck wächst rasant. Im Jahr 2025 wurden bereits 5,8
Milliarden Warensendungen unter 150 Euro in die Europäische Union
importiert – ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 91
Prozent dieser Sendungen stammen aus China.

Das entspricht durchschnittlich knapp 16 Millionen Paketen pro
Tag . Mit wachsendem Paketaufkommen sinkt die Kontrolldichte weiter:
Zuletzt wurden lediglich 82 Sendungen je einer Million Pakete
kontrolliert.

Zwtl.: Nationale Paketsteuer greift am eigentlichen Problem vorbei

Besonders kritisch sieht der Handelsverband daher weiterhin die
geplante österreichische Paketabgabe.

„ Es ist paradox: Während die Europäische Kommission AliExpress
wegen systemischer Verstöße mit einer hohen Strafe belegt, ist genau
diese Plattform von der geplanten österreichischen Paketsteuer gar
nicht betroffen, weil sie unter der vorgesehenen Umsatzschwelle von
100 Millionen Euro in Österreich liegt „, kritisiert HV-
Geschäftsführer Will .

Der Handelsverband spricht sich daher weiterhin für europäische
Lösungen statt nationaler Insellösungen aus. Dazu zählen insbesondere
eine konsequente Plattformhaftung, wirksame Zollkontrollen, die
weiterhin konsequente Durchsetzung des Digital Services Act sowie ein
entschlossenes Vorgehen gegen illegale und unsichere Produkte im
grenzüberschreitenden Onlinehandel.