Wien (OTS) – Die anhaltende Trockenheit, regional niedrige
Grundwasserstände und
längere Hitzeperioden stellen die Wasserwirtschaft vor große
Herausforderungen. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste
seit Beginn der Messungen. In Niederösterreich, Oberösterreich und
Salzburg war es sogar so trocken wie nie zuvor. Gleichzeitig
verschärfen höhere Temperaturen und eine stärkere Verdunstung die
Auswirkungen der Trockenheit zusätzlich. Hält diese Entwicklung an,
könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen.
Auf Einladung von Umweltminister Norbert Totschnig kamen deshalb
Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler , Salzburgs
Landesrat Maximilian Aigner , Vertreterinnen und Vertreter der
Bundesländer sowie Expertinnen und Experten des BMLUK zum
Trinkwassergipfel 2026 zusammen. Im Mittelpunkt standen die aktuelle
hydrologische Situation, die Erfahrungen der Bundesländer, die
Umsetzung des 2023 beschlossenen Trinkwassersicherungsplans sowie die
nächsten gemeinsamen Schritte für eine langfristig sichere
Trinkwasserversorgung.
Umweltminister Norbert Totschnig: „Die vergangenen Monate haben
deutlich gezeigt, wie stark der Klimawandel unseren Wasserhaushalt
verändert. Regional niedrige Grundwasserstände und lange
Trockenphasen machen deutlich, wie wichtig eine vorausschauende
Planung ist. Österreich verfügt weiterhin über eine flächendeckende,
sichere und qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung. Damit das
auch in Zukunft so bleibt, arbeiten Bund, Länder, Gemeinden und
Wasserversorger eng zusammen. Mit dem Trinkwassersicherungsplan haben
wir dafür einen gemeinsamen strategischen Rahmen geschaffen. Wir
investieren konsequent in eine moderne Wasserinfrastruktur,
verbessern unsere Datengrundlagen, stärken die Wasserresilienz und
fördern einen sorgsamen Umgang mit Wasser. So schaffen wir die
Voraussetzungen dafür, dass sich die Menschen in Österreich auch
künftig auf sauberes Trinkwasser verlassen können.“
Seit 2023 wurden vom BMLUK mehr als 7.000 Projekte der
Siedlungswasserwirtschaft unterstützt, darunter über 3.000 Projekte
zur Trinkwasserversorgung. Insgesamt wurden rund 1,5 Milliarden Euro
in die Trinkwasserversorgung investiert, davon 233 Mio. Euro durch
das BMLUK. Damit konnten unter anderem mehr als 1.500 Kilometer
Wasserleitungen neu errichtet, über 1.400 Kilometer saniert sowie
rund 370 Brunnen und Quellen und mehr als 94.000 Kubikmeter
Speichervolumen geschaffen werden.
Einigkeit bestand auch darüber, dass die Herausforderungen regional
unterschiedlich sind und deshalb regionale Lösungen sowie eine enge
Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordern.
Tirols LHStv Josef Geisler dankt Bundesminister Norbert Totschnig für
die Initiativen zur langfristigen Sicherung der
Trinkwasserversorgung: „Wasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage
und wir tun gut daran, gemeinsam Vorsorge zu treffen. Tirol
profitiert von seinen natürlichen Voraussetzungen, der alpinen
Topographie und den ausreichenden Jahresniederschlägen. 90 Prozent
unseres Trinkwassers kommen aus Quellen. Aber auch wir müssen uns
zukunfts- und klimafit aufstellen. Deshalb haben wir spezifisch für
Tirol ein Trinkwasservorsorgekonzept erarbeitet. Dieses zeigt die
Handlungsfelder klar auf: Fortsetzung der gemeindeübergreifenden
Zusammenarbeit für eine krisensicheren Trinkwasserversorgung auch bei
Engpässen und Bedarfsspitzen, konsequenter Schutz und Sicherung der
Wasserressourcen, bewusster und sparsamer Umgang mit Wasser sowie
laufende Optimierung wasserwirtschaftlicher Datengrundlagen.“
Landesrat Maximilian Aigner : „Trinkwasserversorgung ist
Daseinsvorsorge und eine Gemeinschaftsaufgabe. Salzburg ist mit
seinen 649 eigenständigen Wasserversorgern stark und regional gut
aufgestellt. Damit das auch in Zeiten von Trockenheit und Klimawandel
so bleibt, setzen wir auf Vorsorge, Bewusstseinsbildung und
verlässliche Daten. Moderne Prognoseinstrumente wie das
Trockenheitstool und die regelmäßigen Langzeitprognosen helfen
unseren Wasserversorgern, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und
rechtzeitig zu handeln. Zugleich ist klar: Der sorgsame Umgang mit
unserem Lebenselixier Wasser beginnt bereits bei den Kleinsten – etwa
mit der Aktion TrinkWasser!Schule. Damit schaffen wir schon früh
Bewusstsein dafür, welchen Wert sauberes Trinkwasser hat und warum
jeder Einzelne einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit
Wasser leisten kann. Denn Wasser zu schützen heißt, Verantwortung für
die kommenden Generationen zu übernehmen.“
Trinkwassersicherungsplan wird konsequent weiterentwickelt
Derzeit liegen rund 90 Prozent der Messstellen auf niedrigem bis sehr
niedrigem Niveau. Gleichzeitig erschweren hohe Temperaturen und eine
steigende Verdunstung die nachhaltige Erholung der Grundwasserkörper.
Auch wenn Österreich weiterhin über eine sichere
Trinkwasserversorgung verfügt, zeigt die aktuelle Situation, wie
wichtig Vorsorge und eine enge Zusammenarbeit sind. Der
Trinkwassersicherungsplan, den das BMLUK 2023 gemeinsam mit den
Bundesländern erarbeitet hat, bildet dafür die strategische
Grundlage.
Beim heutigen Trinkwassergipfel wurde Bilanz über die bisher
umgesetzten Maßnahmen gezogen und vereinbart, den Plan auf Basis
neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen
konsequent weiterzuentwickeln. Schwerpunkte bleiben der Ausbau der
Datengrundlagen, Investitionen in eine klimaresiliente
Trinkwasserinfrastruktur, Forschung und Innovation,
Bewusstseinsbildung sowie die laufende Evaluierung der Maßnahmen.
Bundesländer berichten über aktuelle Entwicklungen
Im Rahmen des Trinkwassergipfels präsentierten Tirols Landeshauptmann
-Stellvertreter Josef Geisler und Salzburgs Landesrat Maximilian
Aigner aktuelle Maßnahmen ihrer Bundesländer zur Anpassung an die
Folgen des Klimawandels.
Tirol stellte sein neues Trinkwasservorsorgekonzept vor, dass den
langfristigen Schutz der Wasserressourcen und die Sicherung der
Trinkwasserversorgung bis 2050 in den Mittelpunkt stellt. Salzburg
berichtete über den Ausbau des Dürre- und Grundwassermonitorings
sowie über neue Prognoseinstrumente und Kommunikationsmaßnahmen, die
eine frühzeitige Einschätzung regionaler Entwicklungen ermöglichen.
Ergänzt wurden die Länderberichte durch Praxisbeispiele von Johann
Wiedner, Obmann des Steirischen Wasserversorgungsverbandes, Raimund
Paschinger, Geschäftsführer der EVN Wasser, sowie Bürgermeister
Werner Haberl aus der steirischen Gemeinde Gaishorn am See. Sie
berichteten über ihre Erfahrungen mit der anhaltenden Trockenheit,
regionale Herausforderungen und konkrete Maßnahmen zur langfristigen
Sicherung der Trinkwasserversorgung.
Österreich setzt auf Vorsorge und Investitionen
Um die Trinkwasserversorgung langfristig abzusichern, setzt das BMLUK
gemeinsam mit den Bundesländern auf ein umfassendes Maßnahmenpaket.
Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage dafür liefert die laufende
Studie „Wasser im Klimawandel“, die die Auswirkungen des Klimawandels
auf den österreichischen Wasserhaushalt untersucht. Die Erkenntnisse
fließen in den Trinkwassersicherungsplan, den Nationalen
Gewässerbewirtschaftungsplan und die Nationale Wasserstrategie ein.
Mit dem österreichweiten Wasserentnahmeregister werden künftig
wasserwirtschaftlich relevante Wasserentnahmen digital erfasst.
Dadurch können regionale Entwicklungen frühzeitig erkannt und
Wasserressourcen noch gezielter bewirtschaftet werden. Der Entwurf
für die entsprechende Verordnung wurde heute an die Koalitionspartner
übermittelt.
Gleichzeitig investiert das BMLUK in die Stärkung der
Wasserresilienz. Dazu gehört die Modernisierung der
Trinkwasserinfrastruktur sowie die Revitalisierung von Flüssen und
Auen. Diese Maßnahmen fördern die Grundwasserneubildung, stärken
natürliche Wasserspeicher und leisten gleichzeitig einen wichtigen
Beitrag zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung.
Ergänzend setzt das BMLUK auf Bewusstseinsbildung. Über die
Plattformen gen blue , Wasseraktiv und die aktuelle
Wassersparkampagne wird zu einem verantwortungsvollen Umgang mit
Trinkwasser aufgerufen. Bereits einfache Maßnahmen, wie z.B.
Regenwasser für die Gartenbewässerung zu nutzen, kurz zu duschen oder
den Wasserhahn beim Zähneputzen abzudrehen, helfen insbesondere
während Hitzeperioden, Spitzenverbräuche zu reduzieren und die
Versorgung langfristig abzusichern.
Mit 250 Mio. Euro bis 2028 setzt das BMLUK einen klaren Schwerpunkt
auf die Siedlungswasserwirtschaft und Investitionen in eine
klimafitte Trinkwasserinfrastruktur. Laut Regierungsprogramm soll
diese Finanzierung auch im Rahmen der nächsten
Finanzausgleichsverhandlungen über 2028 hinaus abgesichert werden.