Wirtschaft

Wohnbau-Krise: Sanierungsstau bedroht Österreichs Klimaziele!

Gemeinnütziger Wohnbau am Scheideweg

Österreich steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Der gemeinnützige Wohnbau, einst Vorreiter in Sachen Sanierung und Dekarbonisierung, droht unter der Last steigender Anforderungen und unzureichender finanzieller Unterstützung zu kollabieren. Mit einem dramatischen Appell haben sich die Spitzen der ARGE Eigenheim und GLOBAL 2000 an die Öffentlichkeit gewandt, um auf die drohende Krise hinzuweisen.

Ein Vorbild mit massiven Problemen

Der gemeinnützige Wohnbau in Österreich hat sich in den letzten Jahren als Vorbild für nachhaltige Sanierung und Dekarbonisierung hervorgetan. Im Jahr 2025 wurden beeindruckende 7.900 Wohnungen thermisch saniert – ein Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch trotz dieser Erfolge sind die Herausforderungen enorm: Immer noch werden 34 Prozent des gemeinnützigen Wohnungsbestands fossil beheizt. Das entspricht rund 348.000 Wohnungen, die bis 2040 auf klimafreundliche Heizsysteme umgestellt werden müssen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, müssten jährlich rund 20.000 Heizungsumstellungen erfolgen, davon 13.000 in Mietwohnungen. Derzeit jedoch liegt die Zahl der jährlichen Umstellungen weit darunter, was zeigt, dass das Tempo drastisch erhöht werden muss. „Wir müssen das Tempo bei der thermischen Sanierung weiter erhöhen und bei den Heizungsumstellungen massiv beschleunigen“, fordert Isabella Stickler, Obfrau der ARGE Eigenheim.

Finanzierungslücken und rechtliche Hürden

Die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen die Situation weiter. Rund 60 Prozent der Instandhaltungs- und Sanierungsausgaben fließen bereits in die laufende Instandhaltung, sodass für dringend benötigte Großinstandhaltungen und Dekarbonisierungsmaßnahmen immer weniger Mittel zur Verfügung stehen. Der gemeinnützige Sektor weist bereits einen EVB-Vorlagenstand von rund 2,2 Milliarden Euro auf, und die Finanzierungslücke droht angesichts steigender Bau- und Sanierungskosten weiter zu wachsen.

Ein weiteres Problem sind die schwierigen wohnrechtlichen Rahmenbedingungen. Der Förderstopp bei der Bundesförderung der Sanierungsoffensive 2026 zu Jahresbeginn hat gezeigt, wie wichtig verlässliche und langfristig planbare Förderungen sind. „Jeder Förderstopp, jede fehlende wohnrechtliche Regelung und jedes zu lange Zuwarten vergrößert die Finanzierungslücke und verunmöglicht Sanierungen“, warnt Stickler.

Die Stimme der Experten

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000, fordert die Bundesregierung auf, endlich zu handeln. „Nach dem heißesten Sommer der Messgeschichte soll die Bundesregierung ihre Versprechen beim Klimaschutz dringend einlösen. Es braucht neben dem Ziel Klimaneutralität auch verbindliche sektorale Ziele für alle Bereiche“, betont er.

Die Rolle der Gebäude in der Klimastrategie

Gebäude sind ein Schlüsselbereich, wenn es um die Erreichung der Klimaziele geht. Fast ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs entfällt auf Gebäude. Der Sanierungsbedarf ist enorm, da etwa 80 Prozent der Gebäude vor dem Jahr 2000 errichtet wurden, bevor wirksame Energieeffizienzstandards eingeführt wurden. Die EU-Gebäuderichtlinie verlangt, dass alle Gebäude auf den Nullemissionsstandard gebracht werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Was bedeutet das für die Bürger?

Für die Bürger bedeutet dies in erster Linie steigende Kosten und Unsicherheiten, wenn nicht bald gehandelt wird. Die Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme und die thermische Sanierung sind nicht nur kostspielig, sondern auch zeitaufwendig. Die Verzögerungen und Unsicherheiten rund um Förderungen und rechtliche Rahmenbedingungen machen es für viele schwer, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

Ein Blick in die Zukunft

Ohne rasches Handeln droht Österreich, seine Klimaziele zu verfehlen. Die Experten sind sich einig, dass nur durch eine Kombination aus finanzieller Unterstützung, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und technologischen Innovationen die notwendige Transformation des Gebäudebestands gelingen kann. Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen sieht in der Weiterentwicklung des Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrags (EVB) eine mögliche Lösung, um die finanzielle Basis für Sanierungen zu stärken.

Österreich im europäischen Vergleich

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schneidet Österreich bei den Wohnkosten gut ab. Die Wohnkostenbelastung der österreichischen Haushalte liegt mit 17 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 19 Prozent und weit unter den Werten von Deutschland und der Schweiz mit 24-26 Prozent. Dennoch ist die Herausforderung, den Gebäudebestand zu modernisieren und klimafit zu machen, enorm.

Fazit: Dringender Handlungsbedarf

Die Zeit drängt: Die gemeinnützigen Bauvereinigungen sind bereit, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Klimaziele zu erreichen und den Gebäudebestand fit für die Zukunft zu machen. Doch ohne eine klare Strategie der Regierung und die notwendigen finanziellen Mittel wird es schwer, den notwendigen Wandel zu vollziehen. Die Bürger erwarten von der Politik jetzt klare Entscheidungen und wirksame Maßnahmen, um die Zukunft lebenswert und bezahlbar zu gestalten.

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