ÖVP Steiermark in der Kritik: Pläne für 10-Stunden-Tag bei Lehrlingen erhitzen Gemüter
Am 24. Januar 2026 schlug die Nachricht wie eine Bombe ein: Die ÖVP Steiermark plant, den Arbeits- oder Ausbildungstag für minderjährige Lehrlinge auf 10 Stunden auszudehnen. Diese Ankündigung sorgte nicht nur für Aufruhr innerhalb der Gewerkschaftsjugend, sondern entfachte eine landesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen junger Menschen in Österreich.
Ein historischer Rückblick: Warum die 10-Stunden-Regelung so brisant ist
Um die Brisanz dieser Pläne zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. In der Geschichte der Arbeitsrechte in Österreich war die Einführung des 8-Stunden-Tags im Jahr 1919 ein Meilenstein, der die Arbeitsbedingungen revolutionierte. Seitdem galt diese Regelung als unantastbares Grundrecht der Arbeitnehmer. Die Idee, diese Norm für Lehrlinge aufzuweichen, wird daher als Rückschritt empfunden, der an den Grundfesten der Arbeiterrechte rüttelt.
Matthias Hauer: Lehrlinge sind keine billigen Arbeitskräfte!
Matthias Hauer, Bundesjugendsekretär des ÖGB, machte in einer scharfen Stellungnahme deutlich, dass Lehrlinge in erster Linie junge Menschen in Ausbildung seien und keine billigen Arbeitskräfte. Er betonte, dass eine Verlängerung der Arbeitszeiten zugunsten mancher Betriebe die falsche Antwort auf die Herausforderungen der heutigen Zeit sei.
„Wer Fachkräfte sichern will, darf nicht die Gesundheit und Motivation der Lehrlinge opfern. Ausbildung muss qualitativ hochwertig, praxisnah und fair sein – nicht länger, nur weil es manchen Betrieben gerade passt“, erklärte Hauer weiter.
Die Auswirkungen auf junge Menschen: Was bedeutet ein 10-Stunden-Tag?
Ein 10-Stunden-Tag könnte weitreichende Konsequenzen für junge Menschen haben. Die zusätzliche Belastung könnte nicht nur die physische und psychische Gesundheit der Lehrlinge gefährden, sondern auch die Motivation und die Qualität der Ausbildung negativ beeinflussen. Es besteht die Gefahr, dass junge Menschen, die ohnehin mit den Anforderungen einer Lehre und schulischen Verpflichtungen jonglieren, überfordert werden.
Vergleich mit anderen Bundesländern: Ein Einzelfall?
Während die ÖVP Steiermark mit ihren Plänen vorprescht, stellt sich die Frage, ob ähnliche Überlegungen auch in anderen Bundesländern angestellt werden. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass andere Bundesländer der Steiermark folgen wollen. Doch Experten warnen, dass ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte, der Schule macht.
Expertenstimmen: Was sagen die Fachleute?
Dr. Johanna Mayer, eine renommierte Arbeitsmarktexpertin, äußerte sich besorgt über die Pläne: „Ein solcher Vorstoß könnte die Attraktivität der Lehre massiv beeinträchtigen. Junge Menschen werden sich zweimal überlegen, ob sie eine Ausbildung beginnen, wenn sie mit solchen Arbeitszeiten rechnen müssen.“
Ein weiterer Experte, der Arbeitspsychologe Dr. Lukas Steiner, warnte vor den gesundheitlichen Folgen: „Lange Arbeitszeiten in jungen Jahren können zu chronischem Stress und Burnout führen. Dies hat nicht nur kurzfristige Auswirkungen, sondern kann auch die langfristige Arbeitsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigen.“
Die Forderungen der Gewerkschaftsjugend: Mehr als nur Kritik
Die Gewerkschaftsjugend geht jedoch über bloße Kritik hinaus und stellt konkrete Forderungen auf, um die Situation zu verbessern:
- Umsetzung des Aus- und Weiterbildungsfonds
- Mindestlehrlingseinkommen von 1.000 Euro im 1. Lehrjahr
- Verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit
- Bessere Rahmenbedingungen für die Ausbildung der Lehrlingsausbilder
- Regelmäßige Überprüfung der Lehrbetriebe bei den Ausbildungsvoraussetzungen
Diese Forderungen zielen darauf ab, die Qualität der Ausbildung zu steigern und die Attraktivität der Lehre zu erhöhen, ohne die Belastung für die jungen Menschen zu vergrößern.
Politische Zusammenhänge: Warum gerade jetzt?
Die Pläne der ÖVP Steiermark kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen steigt und die Zahl der Lehrlinge sinkt. Die Regierung steht unter Druck, Lösungen zu finden, um die Fachkräftesicherung zu gewährleisten. Doch die Gewerkschaftsjugend warnt davor, dass die Verlängerung der Arbeitszeiten der falsche Weg sei und eher kontraproduktiv wirken könnte.
Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet uns?
Die Debatte um den 10-Stunden-Tag für Lehrlinge wird sicherlich nicht so schnell abflauen. Es bleibt abzuwarten, ob die ÖVP Steiermark ihre Pläne tatsächlich umsetzt oder ob der Widerstand der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit zu einem Umdenken führt. Klar ist jedoch, dass die Diskussion über die Arbeitsbedingungen junger Menschen in Österreich auf der politischen Agenda bleiben wird.
Zum Abschluss bleibt die Hoffnung, dass die Interessen der Lehrlinge nicht unter den Tisch fallen und dass ihre Ausbildung in einer Weise gestaltet wird, die sowohl den Bedürfnissen der Wirtschaft als auch den Rechten der jungen Menschen gerecht wird.